Auch wenn der heute veröffentlichte Jahresbericht der Bundesdrogenbeauftragten Daniela Ludwig (CSU) in einem neuen, moderneren Format erscheint, so bietet er hinsichtlich des Themas Tobacco Harm Reduction inhaltlich nicht viel neues. Statt aktuelle wissenschaftliche Fakten zu berücksichtigen, greift er weiterhin auf altbekannte Narrative wie den sogenannten „Gateway-Effekt“ zurück und ignoriert weitgehend Erkenntnisse aus der Suchtforschung.

Es ist allgemein bekannt, dass das Rauchen von Tabakzigarretten ein folgenschweres und vermeidbares Gesundheitsrisiko darstellt. Um so wichtiger ist es, den Rauchern in Deutschland eine wirksame und bewährte Alternative zur Verfügung zu stellen.

Doch statt das Potential der E-Zigarette beim Rauchaussteig und damit einer potentiellen Verringerungen des individuellen Risikos zu nutzen, ignoriert man sämtliche wissenschaftliche Studien, die eine geringere Schädlichkeit der E-Zigarette gegenüber Tabakprodukten eindeutig belegen.

Auffällig ist, dass die im Sommer verabschiedete Verschärfung des Tabakwerbeverbots und die Aufnahme von E-Zigaretten und Tabakerhitzern darin als großer Erfolg der Bundesregierung gewertet wird, insbesondere bei ihren Bemühungen, Jugendliche vom Konsum abzuhalten.

Doch statt die E-Zigarette als wesentlich weniger schädliche Alternative und als Instrument der Tobacco Harm Reduction zu verstehen, versucht man, diese auf eine Stufe mit der Tabakzigarette zu stellen. Besonders deutlich wurde dies auch bei der Vorstellung des Drogenberichts in der Bundespressekonferenz, in der sich Daniela Ludwig nachdrücklich von der Aussage distanzierte, dass E-Zigaretten potenziell weniger schädlich seien als Tabakzigaretten. Dies ist inzwischen jedoch wissenschaftlicher Konsens und wird auch von Instituten wie dem DKFZ und BfR vertreten.

Michal Dobrajc, Vorsitzender des VdeH, erklärt: „Für die Drogenbeauftragte der Bundesregierung ist es ein Armutszeugnis, dass wissenschaftliche Fakten, wie die geringere Schädlichkeit von E-Zigaretten im Vergleich zu Tabakzigaretten weiterhin ignoriert werden. Während in anderen Bereichen die Substitution als wichtiges Mittel zur Harm Reduction anerkannt wird, wird die Rolle der E-Zigarette als weniger schädliche Alternative zur Tabakzigarette konsequent ignoriert.“

Auch die Gleichstellung nikotinfreier und nikotinhaltiger Flüssigkeiten wird als Erfolg gewertet. Im Hinblick auf die Regulierung der Inhaltsstoffe war dies ein sinnvoller und notwendiger Schritt, den der VdeH stets befürwortet hat. Eine Vielzahl weiterer Anforderungen und Verpflichtungen, die mit dem Gesetz einhergehen, sind jedoch überflüssig und führen zwangsläufig zu immensen bürokratischen und finanziellen Belastungen, sowohl für die Wirtschaft als auch für die zuständigen Aufsichtsbehörden – ohne dass dies dem Verbraucher- und Gesundheitsschutz in irgendeiner denkbaren Weise dienlich wäre.