Aussagen von Arunas Vinciunas, dem Kabinettschef des EU-Gesundheitskommissars Vytenis Andriukaitis, haben beim Verband des eZigarettenhandels (VdeH) zu Irritationen geführt. Unter anderem behauptete Vinciunas im Gespräch mit Euractiv am Rande einer Veranstaltung in Brüssel am 30. Januar 2019, dass E-Zigaretten Tabak enthielten und giftig seien.

Der Vorsitzende des VdeH, Michal Dobrajc, zeigt sich über solche Aussagen verwundert: „Es ist sehr beunruhigend, dass der Kabinettschef des zuständigen EU-Kommissars ein solch mangelndes Fachwissen beweist. E-Zigaretten haben eben den entscheidenden Vorteil, dass sie keinen Tabak enthalten und daher beim Konsum der Produkte auch kein Tabak verbrannt wird. Zudem gelten seit der Implementierung der aktuellen Tabakproduktrichtlinie (TPD) für E-Zigaretten und E-Liquids europaweit strenge Regeln. So ist es verboten, Stoffe zu verwenden, die ein Gesundheitsrisiko für den menschlichen Organismus darstellen. Darüber hinaus gilt die Verpflichtung, dass nur Stoffe höchster Qualität bei der Verarbeitung verwendet werden dürfen. Zudem wurde eine Negativliste von Stoffen erstellt, die ebenfalls nicht bei der Produktion verwendet werden dürfen. Die Herstellung der Produkte unterliegt insgesamt also hohen Anforderungen. Der Vergleich, den Herr Vinciunas zwischen dem Genuss einer E-Zigarette und der Einnahme eines Giftes anstellt, ist völlig an den Haaren herbeigezogen und entbehrt jeder sachlichen Grundlage.“

Spätestens mit der Veröffentlichung des PHE-Reports aus dem Jahr 2015 ist es wissenschaftlicher Konsens, dass E-Zigaretten deutlich weniger schädlich sind als Tabakzigaretten. Auch andere, aktuellere Studien untermauern die Argumentation, dass E-Zigaretten bis zu 95% weniger schädlich sind als Tabakzigaretten. „Zu ignorieren, dass die Mehrheit der Studien der E-Zigarette eine deutlich geringere Schädlichkeit attestieren, ist nicht nachvollziehbar und geradezu verantwortungslos. Es wäre ratsam, die wissenschaftliche Evidenz anzuerkennen und sie auch seitens der EU so zu kommunizieren statt sich einem professionellen Austausch zu verschließen. Dies würde umstiegswilligen Rauchern die Unsicherheit nehmen und dabei helfen, dass das Produkt in der Bevölkerung akzeptiert wird. Die E-Zigarette bietet das große Potenzial für Raucher, ihre gesundheitliche Belastung stark zu reduzieren.“

Schon zu Wochenbeginn hatte Kommissar Vytenis Andriukaitis für Unverständnis beim Verband gesorgt. In einer Rede in Athen begründete er seine skeptische Haltung gegenüber E-Zigaretten damit, dass sie europaweit viele junge Menschen zu Dampfern machen würden. Dobrajc empfindet solche Aussagen als Panikmache: „Die aktuellen Zahlen des Eurobarometers zeigen, dass gerade einmal 2% aller EU-Bürger E-Zigaretten regelmäßig benutzen. Für Deutschland zeigen die aktuellen Zahlen aus der DEBRA-Studie, dass nur 2,9% aller Jugendlichen regelmäßig E-Zigaretten konsumieren. Kommissar Andriukaitis skizziert hier ein Problem, welches gar nicht existiert.“

Große Hoffnungen setzt der VdeH in die Evaluierung der aktuellen Tabakproduktrichtlinie durch die EU-Kommission im Jahr 2021. „Wir sind optimistisch, dass sich bis dahin die Fakten zur E-Zigarette durchgesetzt haben und sich dies auch dementsprechend in dem Bericht wiederspiegeln wird. Seit der Implementierung der TPD im Jahr 2016 herrschen deutlich höhere Qualitätsstandards in der Branche. Es hat sich aber auch gezeigt, dass Teile der Regulierung praxisfremd sind und den Zielen des Gesundheits- und Verbraucherschutzes sogar zuwiderlaufen. Hier gilt es, nachzubessern und der VdeH als Branchenverband bietet sich weiterhin für offene Gespräche und einen fairen Austausch an – auch wenn Herr Vinciunas „Widerwillen“ signalisiert. Anstatt die Bürger zu verunsichern, wäre es richtig, seitens der Kommission zu überlegen, wie eine progressive Regulierung aussehen könnte.“, so Dobrajc abschließend.