Evaluierungsbericht der EU-Kommission – Teil 3
Wissenschaft? Nur selektiv.
Der Bericht der EU-Kommission blendet einen Großteil der wissenschaftlichen Erkenntnisse über die geringere Schädlichkeit von E-Zigaretten im Vergleich zu herkömmlichen Tabakzigaretten weitgehend aus, und verzerrt damit die Fakten.
Schon in früheren Veröffentlichungen stellt die EU-Kommission ihrem Bericht sinngemäß fest, dass risikoreduziere Nikotinprodukte keinen Vorteil gegenüber dem Rauchen bieten. Sie bezeichnet diese als ebenso schädlich wie das Rauchen selbst.
Damit steht sie im Widerspruch zu einem breiten wissenschaftlichen Konsens, der deutliche Unterschiede im Risikoprofil feststellt. Selbst das Bundesinstitut für Risikobewertung hat dies in mehreren Stellungnahmen bestätigt. Daraufhin haben zahlreiche Wissenschaftler der EU-Kommission vorgeworfen, die Öffentlichkeit irrezuführen.
Der Ansatz der Schadensminderung ist international ein etablierter Bestandteil der öffentlichen Gesundheitsstrategie. Hochwertige Evidenz zeigt, dass E-Zigaretten wirksam beim Rauchstopp unterstützen können und teilweise höhere Erfolgsraten als klassische Nikotinersatztherapien erreichen. Im Bericht findet auch dies keine ausreichende Berücksichtigung. Stattdessen stützt sich die Kommission maßgeblich auf die Bewertung ihres Beratungsgremiums SCHEER, die sich vor allem auf absolute Risiken fokussiert.
Entscheidend wäre jedoch der Vergleich: Wie schneiden risikoreduzierte Alternativen im Verhältnis zur Zigarette ab? Genau diese Perspektive fehlt jedoch. Dabei hatte sich die Kommission selbst verpflichtet, auch wissenschaftliche Erkenntnisse zu möglichen gesundheitlichen Vorteilen zu berücksichtigen.
In den kommenden Tagen informieren wir über weitere Fragwürdigkeiten, die der EU-Bericht zu Tabak- und Nikotinprodukten aufweist. Bleiben Sie dran!
Hintergrund: Die Tabakproduktrichtlinie TPD2 bildet derzeit die Grundlage für die Regulierung von Tabak- und verwandten Produkten in der EU. In absehbarer Zeit soll sie durch eine überarbeitete Version, die sogenannte TPD3, ersetzt werden. Im Zuge dieser Weiterentwicklung hat die EU-Kommission einen Evaluierungsbericht zur TPD2 veröffentlicht. Darin werden die bisherigen Maßnahmen überprüft und bewertet. Für den Bericht wurden unter anderem sowohl Experten aus dem Bereich Gesundheit und Forschung, als auch Vertreter der betroffenen Branche sowie Konsumentinnen und Konsumenten angehört
Über die Jugendschutzkampagne des VdeH
Seit seiner Gründung im Jahr 2011 gehört die Verpflichtung unsere Produkte nur an erwachsene Personen abzugeben zur Satzung des VdeH. Im Jahr 2019 hat sich der VdeH zudem mit einem Werbekodex verpflichtet, auf den Einsatz von Comicfiguren oder ähnlichen Motiven, die das Interesse von Kindern und Jugendlichen wecken könnten, vollständig zu verzichten.
Mit unserer aktuellen Jugendschutzkampagne, an der sich auch der Fachhandel beteiligt, wollen wir das öffentliche Bewusstsein stärken und das Thema Jugendschutz branchenübergreifend in den Fokus rücken.
Durch die erhöhte Aufmerksamkeit bei Medien, Behörden, Politik und Eltern, hoffen wir, dass der Druck auf die Marktteilnehmer wächst, die das Thema Jugendschutz bisher nicht ernst genommen haben
Quellen
Europäisches Parlament: Answer to question E-10-2025-004350, 2025, abrufbar unter:
https://www.europarl.europa.eu/doceo/document/E-10-2025-004350-ASW_EN.pdf
Euractiv: EXCLUSIVE: EU health chief 100% convinced new products as harmful as cigarettes, 2026, abrufbar unter:
https://www.euractiv.com/news/exclusive-eu-health-chief-100-convinced-new-products-as-harmful-as-cigarettes/
Bundesinstitur für Risikobewertung – Emissionen von Tabakzigaretten, Tabakerhitzern und e-Zigaretten im Vergleich, April 2022, S. 17, abrufbar unter:
https://www.bfr-akademie.de/media/wysiwyg/2022/oegd2022/emissionen-von-tabakzigaretten-tabakerhitzern-und-e-zigaretten-im-vergleich.pdf
Mallock-Ohnesorg, N. et al.: Small pouches, but high nicotine doses—nicotine delivery and acute effects after use of tobacco-free nicotine pouches, Mai 2024, abrufbar unter:
https://doi.org/10.3389/fphar.2024.1392027
Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Vorläufige gesundheitliche Bewertung von Nikotinbeuteln (Nikotinpouches), November 2021, S. 13, abrufbar unter:
https://www.bfr.bund.de/cm/343/vorlaeufige-gesundheitliche-bewertung-von-nikotinbeuteln-nikotinpouches.pdf
EU Reporter: Scientists accuse EU of misleading public on risks of smoke-free nicotine products, 2026, abrufbar unter:
https://www.eureporter.co/health/2026/03/04/scientists-accuse-eu-of-misleading-public-on-risks-of-smoke-free-nicotine-products/
Brussels Signal: Leading scientists accuse European Commissioner of ‘misleading statements’ on smoke-free nicotine products, 6. März 2026, abrufbar unter:
https://brusselssignal.eu/2026/03/leading-scientists-accuse-european-commissioner-of-misleading-statements-on-smoke-free-nicotine-products/
Cochrane: Can electronic cigarettes help people stop smoking, and do they have any unwanted effects when used for this purpose?, 2025, abrufbar unter:
https://www.cochrane.org/de/evidence/CD010216_can-electronic-cigarettes-help-people-stop-smoking-and-do-they-have-any-unwanted-effects-when-used
O’Leary, R.; Polosa, R.; Li Volti, G.: Critical appraisal of the European Union Scientific Committee on Health, Environmental and Emerging Risks (SCHEER) preliminary opinion on electronic cigarettes, 2021, abrufbar unter:
https://link.springer.com/article/10.1186/s12954-021-00476-6
Europäische Kommission: Call for Evidence – Evaluation of the legislative framework for tobacco control, 2023, abrufbar unter:
https://tobaccoharmreduction.net/wp-content/uploads/2025/03/ad80f17b53b0c3bae77ed0dba4c24ab5.pdf


