Evaluierungsbericht der EU-Kommission – Teil 4

Bürger gehört – aber nicht ernst genommen

Im Rahmen der Evaluierung der Tabakkontrollrichtlinie hat die Europäische Kommission 2022 und 2023 öffentliche Konsultationen durchgeführt.

Über 15.000 EU-Bürger nahmen an der öffentlichen Konsultation teil und berichteten überwiegend positiv zu ihrer persönlichen Erfahrungen mit rauchfreien Nikotinprodukten. Doch im Evaluierungsbericht der Kommission spielt dieses Feedback praktisch keine Rolle.

Dabei wirft bereits die Ausgestaltung der Konsultation Fragen auf: Suggestiv formulierte Fragen und eine erkennbare Lenkung der Antworten lassen Zweifel an der Neutralität des Prozesses aufkommen. So wurde selbst von Mitgliedern des Europäischen Parlaments kritisiert, dass die Fragen der Konsultation „irreführend“ formuliert seien und die Neutralität des Fragebogens in Zweifel stehe.

Eine Auswertungen der Konsultationen zeigte, dass zentrale gesundheitsbezogene Fragestellungen für Bürger teilweise gar nicht abgefragt wurden, was die Aussagekraft der Ergebnisse zusätzlich einschränkt.

Trotzdem ist das Ergebnis eindeutig:

  • 77 % der Teilnehmer sehen in rauchfreien Alternativen eine Unterstützung beim Rauchstopp
  • 82 % widersprechen der Einschätzung, dass diese Produkte primär ein Risiko für die öffentliche Gesundheit darstellen

Auch in Deutschland zeigt sich ein klares Bild: 91 % der Teilnehmer erkennen keinen Mehrwert in zusätzlichen EU-Regulierungen zu Nikotin- und Tabakprodukten.

Diese Rückmeldungen sind kein Randphänomen, sie spiegeln die Perspektive tausender Konsumenten wider. Umso bemerkenswerter ist, dass sie im Bericht kaum berücksichtigt werden.

Wer Beteiligung ernst meint, darf Ergebnisse nicht selektiv ausblenden und einen Ergebnisbericht als neutral, ausgewogen und wissenschaftlich fundiert nennen.

In den kommenden Tagen informieren wir über weitere Fragwürdigkeiten, die der EU-Bericht zu Tabak- und Nikotinprodukten aufweist. Bleiben Sie dran!


Über die Jugendschutzkampagne des VdeH

Seit seiner Gründung im Jahr 2011 gehört die Verpflichtung unsere Produkte nur an erwachsene Personen abzugeben zur Satzung des VdeH. Im Jahr 2019 hat sich der VdeH zudem mit einem Werbekodex verpflichtet, auf den Einsatz von Comicfiguren oder ähnlichen Motiven, die das Interesse von Kindern und Jugendlichen wecken könnten, vollständig zu verzichten.

Mit unserer aktuellen Jugendschutzkampagne, an der sich auch der Fachhandel beteiligt, wollen wir das öffentliche Bewusstsein stärken und das Thema Jugendschutz branchenübergreifend in den Fokus rücken.

Durch die erhöhte Aufmerksamkeit bei Medien, Behörden, Politik und Eltern, hoffen wir, dass der Druck auf die Marktteilnehmer wächst, die das Thema Jugendschutz bisher nicht ernst genommen haben


Quellen

Europäische Kommission: Public consultation – Evaluation of the legislative framework for tobacco control, 2023, abrufbar unter:
https://ec.europa.eu/info/law/better-regulation/have-your-say/initiatives/13481-Evaluation-of-the-legislative-framework-for-tobacco-control/public-consultation_en

EU Political Report: Huge public response on big shake-up of EU tobacco laws, 2022, abrufbar unter:
https://eupoliticalreport.com/huge-public-response-on-big-shake-up-of-eu-tobacco-laws/

Snusforumet: Swedish MEPs slam ‘misleading’ questions as TPD call for evidence ends, 22. Mai 2023, abrufbar unter:
https://snusforumet.se/en/swedish-meps-slam-misleading-questions-as-tpd-call-for-evidence-ends/

Snusforumet: EU tobacco public consultation: key results, 20. November 2023, abrufbar unter:
https://snusforumet.se/en/eu-tbd-consultation-key-results/