Überregulierung mit Nebenwirkungen

Wie die Niederlande den Schwarzmarkt stärken

Die Niederlande haben in den vergangenen Jahren besonders strenge Maßnahmen zur Regulierung von E-Zigaretten eingeführt. Im Mittelpunkt stand dabei ein weitreichendes Aromenverbot: Seit 2024 sind, mit Ausnahme von Tabakgeschmack, nahezu alle Geschmacksrichtungen für E-Zigaretten untersagt. Ziel dieser Maßnahme war es ausdrücklich, insbesondere den Konsum unter Jugendlichen einzudämmen und die Attraktivität von Vapes zu reduzieren.

Die aktuellen Entwicklungen in den Niederlanden liefern jedoch ein eindrückliches Beispiel dafür, wie eine gut gemeinte Regulierung in der Praxis ins Gegenteil umschlagen kann.  Neue Zahlen der niederländischen Regierung zeigen deutlich, dass der überwiegende Teil des Marktes sich vollkommen der staatlichen Kontrolle entzieht, mit weitreichenden Folgen für Verbraucher- und Jugendschutz.

Verbote beseitigen nicht die Nachfrage

Laut einer aktuellen, von der Regierung beauftragten Studie nutzen rund 87 % der Dampfer in den Niederlanden illegale Produkte oder beziehen diese über illegale Vertriebswege. Ein Problem, das maßgeblich durch die strengen regulatorischen Maßnahmen der vergangenen Jahre begünstigt wurde.

Insbesondere die umfassende Einschränkung der Geschmacksvielfalt hat den legalen Markt extrem eingeschränkt. Für viele erwachsene Nutzer, die gezielt auf alternative Produkte setzen, ist die geschmackliche Vielfalt jedoch ein entscheidender Faktor.

Werden diese Optionen im legalen Markt massiv reduziert, weichen Konsumenten zwangsläufig auf illegale Angebote aus.

Schwarzmarkt statt Gesundheitsschutz

Die Konsequenzen sind deutlich sichtbar: Illegale Produkte werden inzwischen über zahlreiche Kanäle vertrieben. Von stationären Geschäften über Online-Shops bis hin zu sozialen Netzwerken und dubiosen Händlerstrukturen. Die Lieferketten sind international organisiert und oftmals eng mit anderen Formen der Kriminalität verknüpft.

Durch die Entstehung eines Schwarzmarkts passiert genau das Gegenteil dessen, was Regulierung eigentlich erreichen wollte:

  • Keine Qualitätskontrollen für Produkte
  • Keine Altersverifikation beim Verkauf
  • Keine Steuereinnahmen für den Staat
  • Erhöhte Gesundheitsrisiken durch ungeprüfte Inhaltsstoffe

Besonders problematisch ist, dass gerade Jugendliche, die eigentlich geschützt werden sollen, über diese unkontrollierten Kanäle oft sogar leichter an die Produkte gelangen, als zuvor.

Ein warnendes Beispiel für Europa

Die Entwicklung in den Niederlanden sollte als klares Warnsignal für andere europäische Länder verstanden werden. Eine Politik, die den legalen Markt immer weiter einschränkt und ihm durch stetig neue Regulierungsvorhaben die Planungssicherheit nimmt, sorgt nur dafür, dass sich der Konsum immer weiter in unkontrollierbare Bereiche verlagert.

Für eine wirksame Regulierung braucht es daher einen praxistauglichen und verhältnismäßigen Rahmen:

  • Konsequente Bekämpfung illegaler Strukturen durch häufigere Kontrollen und spürbare Sanktionen
  • Planungssicherheit und Entlastungen für legale Anbieter
  • Attraktive Produkte, die nicht durch extreme Steuern oder Verbote einzelner Inhaltsstoffe künstlich unattraktiv gemacht werden

Die Niederlande zeigen eindrücklich, dass gut gemeinte, aber überzogene Regulierung kontraproduktiv wirkt. Anstatt den Konsum unter Jugendlichen zu verhindern und Risiken zu minimieren, hat man einen florierenden Schwarzmarkt hervorgebracht.

Für Deutschland und die Europäische Union gilt es daher, aus diesen Erfahrungen zu lernen, und Regulierung so zu gestalten, dass sie wirksam, verhältnismäßig und realitätsnah bleibt.

Oliver Pohland, Geschäftsführer des VdeH, betont: „Ein erster wichtiger Schritt wäre ein offener und konstruktiver Dialog mit der Branche, um gemeinsam tragfähige Lösungen zu entwickeln, die sowohl den Verbraucherschutz stärken als auch realistisch umsetzbar sind. Wer den Austausch mit der Industrie von vornherein ausschließt, riskiert, weiterhin Regulierung zu betreiben, die an der Praxis vorbeigeht und ihre Ziele verfehlt.“


Über die Jugendschutzkampagne des VdeH

Seit seiner Gründung im Jahr 2011 gehört die Verpflichtung unsere Produkte nur an erwachsene Personen abzugeben zur Satzung des VdeH. Im Jahr 2019 hat sich der VdeH zudem mit einem Werbekodex verpflichtet, auf den Einsatz von Comicfiguren oder ähnlichen Motiven, die das Interesse von Kindern und Jugendlichen wecken könnten, vollständig zu verzichten.

Mit unserer aktuellen Jugendschutzkampagne, an der sich auch der Fachhandel beteiligt, wollen wir das öffentliche Bewusstsein stärken und das Thema Jugendschutz branchenübergreifend in den Fokus rücken.

Durch die erhöhte Aufmerksamkeit bei Medien, Behörden, Politik und Eltern, hoffen wir, dass der Druck auf die Marktteilnehmer wächst, die das Thema Jugendschutz bisher nicht ernst genommen haben


Quellen

„Aromenverbot für E-Zigaretten in den Niederlanden“, NVWA, 2024, abgerufen am 13.04.2026
https://www.nvwa.nl/onderwerpen/roken-drinken/vapes-en-e-sigaretten/flavour-ban

„Große Mehrheit der verwendeten Vapes ist illegal – Regierung will härter gegen Verkäufer vorgehen“, RTL Nieuws, 10.04.2026, abgerufen am 13.04.2026
https://www.rtl.nl/nieuws/politiek/artikel/5588999/overgrote-meerderheid-gebruikte-vapes-zijn-illegaal-kabinet-neemt

„Höhere Geldstrafen für den Verkauf illegaler Vapes – Besitz soll ebenfalls verboten werden“, De Telegraaf, 10.04.2026, abgerufen am 13.04.2026
https://www.telegraaf.nl/politiek/hogere-boetes-voor-verkoop-illegale-vapes-bezit-wordt-ook-verboden/145548533.html